195. Lippenbekenntnis

195. Lippenbekenntnis

Hand aufs Herz und grosses Indianer Ehrenwort, wer von Ihnen hat noch nie ein Lippenbekenntnis abgegeben. Also ein Versprechen gemacht, wohlwissend, dass Sie das nicht oder nie einhalten können oder wollen.

Laut Duden und anderen schlauen Büchern/Internet wird ein Lippenbekenntnis so umschrieben: Hohles Versprechen, leere Worte, leeres Versprechen, Beruhigungspille, (leere) Floskel, Gaukelei, Phrasendrescherei.

Tja, das ist starker Tobak; eine ganze Menge unangenehmer Aussagen.

Aber hier in diesem Blog wollen wir uns nicht mit Unangenehmen, Unwahrheiten und Lügengeschichten befassen. Ich nehme an, Sie sind einverstanden.

Wenn ich das Bild betrachte, sehe ich den lieben, alten Telefonhörer in der Luft baumeln; ein knallrotes Telefonhäuschen, das heute in dieser Form wohl nur noch in London überlebt hat und einen Kussmund. Also folgere ich, dass dieses Lippenbekenntnis – von London in die Welt hinausgehend – sicher ein sehr berührendes, sehnsüchtiges, liebesverzehrendes sein könnte. Zwei, die über Tausende von Kilometern getrennt sind und nur diese Möglichkeiten haben, ihre Liebe zueinander kundzutun. Ha, werden Sie sagen, ich hätte das Mobiltelefon, den Computer vergessen. Ich versichere Ihnen, ich lebe nicht hinter dem Mond... Aber… Es gibt tatsächlich auf unserem Planeten noch Orte, wo ein Internetzugang schlicht nicht existiert.

Wenn auch Sie etwas auf dem Herzen haben und ein Lippenbekenntnis abgeben möchten, nur zu. In unseren Breitengraden haben Sie ganz sicher viele, verschiedene Möglichkeiten. Viel Glück.

© Roswitha Rinderknecht